Die unsichtbaren Anforderungen an alleinerziehende Mamas & Papas
Zwischen emotionaler Hochleistung, mentaler Daueranspannung und gesellschaftlichen Erwartungen
Alleinerziehende Mamas und Papas leisten täglich etwas, das physiologisch betrachtet einer DAUERBELASTUNG auf mehreren Ebenen entspricht. Und doch wird genau diese Leistung oft als selbstverständlich angesehen – oder schlimmer noch: übersehen.
Dieser Artikel beleuchtet, welche Anforderungen tatsächlich auf alleinerziehenden Mamas und Papas wirken, warum sie so erschöpfend sind und was die Psychologie dazu sagt… In Deutschland leben allein 2,97 Millionen alleinerziehende Elternteile, und haltet Euch fest, davon sind 80% was wohl???? FRAUEN…
Emotionale Dauerverfügbarkeit – ohne Auffangnetz
Alleinerziehende Elternteile sind alleinige emotionale Hauptbezugspersonen. Das bedeutet: Trost spenden, Sicherheit geben, Konflikte auffangen, Freude spiegeln, Ängste regulieren… Emotionale Co-Regulation, weil Kinder ja nur lernen, ihre Gefühle zu regulieren, indem sie sie mit einer verlässlichen Person teilen… Nun, wir tragen das allein, oft ohne Pausen und auch ohne Ablösung. Studien zeigen hier, dass dauerhafte emotionale Verfügbarkeit ohne Erholungsphasen zu emotionaler Erschöpfung und Burnout führen können.
Dazu kommt noch eine mentale Last, dass der Kopf eben nie abschalten kann. Denn neben der „sichtbaren Arbeit“existiert die unsichtbare Last: Termine koordinieren, Finanzen im Blick behalten, Kita – Schulorganisation, Arztbesuche, Formulare, Anträge, Zukunftsängste und Verantwortungsdruck. Neuropsychologisch bedeutet das: Das Gehirn bleibt im Daueralarmmodus. Der präfrontale Cortex (zuständig für Planung & Entscheidungen) ist permanent aktiv und deshalb fällt die Erholung so schwer. Chronischer Mental Load kann zu Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, Reizbarkeit und Gefühlen von Überforderung führen.


Es geht noch weiter mit dem Rollenkonflikt alles sein zu müssen: liebevolle Mama/liebevoller Papa sein, Bindung aufbauen und halten, Begleitung, emotionale Stütze, Ernährer/in, Organisator/in, stabile Erwachsene sein usw usw/. Die psychologische Rollentheorie beschreibt, dass mehrere gleichzeitig erfüllte Rollen ohne klare Grenzen/ Pausen zu Rollenkonflikten führen… Die inneren Sätze, „ich muss funktionieren“, „es hängt alles von mir ab“, die habe ich mir mittlerweile abtrainiert: Auch ich darf authentisch sein, darf schwach sein, darf ruhen, darf und muss Pausen machen, denn sonst erhöhe ich mir selbst zu allem noch den Druck.
Der gesellschaftliche Blick auf alleinerziehende hat lange an meinem Selbstwert genagt – so oft habe ich subtile Schuldzuweisungen gehört: „Du wolltest es ja nicht anders“, und Leute, das stimmt nicht: ich wollte es sehr wohl gaaaaanz anders, aber es hat halt nicht geklappt. In „problematischen“ Situationen mit Kindern oder im Job höre ich immer noch Bemerkungen wie „ach, du bist ja auch alleinerziehend kein Wunder das…“ Und jetzt mal ehrlich, unter jedem Dach ein Ach! Wer ist denn schon perfekt? Zum Glück niemand… Auch bei zwei Elternteilen Zuhause gibt es nicht nur Friede Freude Eierkuchen, oder??
Ich sag Euch mal was, genau diese Mischung ist aus sozialpsychologischer Sicht wie ein permanenter Spiegel: Der Selbstwert wird nicht nur aus dem Innern, sondern auch aus dem Außen gespeist:) das heißt, diese unangemessenen negativen Zuschreibungen verstärken Selbstzweifel, erzeugen Schamgefühle, sind Übergriffig und nähren das Gefühl von „Nicht- Genug- Sein“…
Und wer braucht das wirklich? Also wir nicht, denn unsere „Sahnehauben“ sind ja dazu noch die finanziellen Einbußen. Trotz eines Jobs, und der Zuhause geleisteten unbezahlten Care Arbeit fehlen uns Mittel um unseren Kindern ein angemessenen Lebensstil zu ermöglichen.
Was wir dafür entwickeln, ist eine außergewöhnliche RESILIENZ – sogar laut Resilienzforschung bewiesen;), denn Menschen, die hohe Verantwortung tragen und dabei Sinn erleben, entwickeln eine hohe Problemlösungskompetenz, emotionale Tiefe und große Anpassungsfähigkeit. Wie gut, dass unter dieser Forschung klar erwähnt wird, RESILIENZ BEDEUTET NICHT UNVERWUNDBARKEIT:) und STÄRKE ERSETZT KEINE ERHOLUNG.
So, das obige kennen wir ja alle, musste aber trotzdem mal raus und jetzt ein Lösungsvorschlag:
Was Alleinerziehende wirklich brauchen
Gesellschaftliches Umdenken: Anerkennung statt Bewertung, Mitgefühl statt Mitleid, Entlastung statt Erwartung… Soziale Unterstützung nach dem Motto, „es braucht ein ganzes Dorf für die Entwicklung der Kinder“. Wir begleiten die kommende Generation und wünschen uns Toleranz und Akzeptanz.
Was aus meiner Sicht noch dringlich ist, ist die gerechte Bezahlung unserer Care Arbeit, damit wir verlässliche finanzielle Sicherheit haben. Das verhindert Kinderarmut und Altersarmut, und dient der Gesunderhaltung von Mamas, Papas und ihren Kindern.
Ich finde es wird Zeit, endlich an die Wurzeln zu gehen, statt kleine Entlastungen zu feiern, die nie die Ursachen beheben!
Wie stehst Du zu dem Thema??
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