Gitte Iskalla

Interview mit Gitte

Last Updated: Juli 9, 2026By

Gitte ist psychologische Consultant und Coach mit dem Schwerpunkt auf psychosozialer Beratung für Männer und Frauen. Nach ihrem Psychologiestudium absolvierte sie eine fundierte Ausbildung zur psychologischen Beraterin an der ALH sowie eine Coaching-Zertifizierung. Da sie selbst seit 13 Jahren mit einer Angststörung und Depressionen lebt, verbindet sie in ihrer Arbeit tiefes theoretisches Fachwissen mit echter, eigener Lebenserfahrung. Auf ihrem Instagram-Kanal @gitte_iskalla betreibt sie digitale Aufklärung und bietet Betroffenen alltagsnahe Erste-Hilfe-Werkzeuge auf Augenhöhe.

Gitte, du unterstützt Frauen bei einem so großen Thema wie „Angst, Angststörungen“ und bei seelischen Krisen. Wie genau sieht deine Arbeit aus und wie kamst du dazu?
Mein Weg zu diesem Thema ist ein zutiefst persönlicher: Ich lebe selbst seit 13 Jahren mit einer Angststörung und Depressionen. Als ich damals meine eigene Therapie begann, wollte ich das Ganze nicht nur aushalten, sondern begreifen. Ich wollte unbedingt das „Warum passiert mir das jetzt?“ verstehen. Diese Suche nach Antworten hat mich so sehr gefesselt, dass ich Psychologie studiert habe, gefolgt von einer fundierten Ausbildung zur psychologischen Beraterin an der ALH.

Heute gebe ich dieses Wissen genau da weiter, wo Betroffene im Alltag nach schnellen Ankern suchen: auf Instagram. Meine Arbeit dort ist digitale „Hilfe zur Selbsthilfe“. Ich übersetze komplexe Psychologie in verständliche, alltagsnahe Werkzeuge. An meiner virtuellen Küchentheke hole ich die Frauen ab und zeige ihnen, wie sie ihr Nervensystem regulieren können, wenn die Angst mal wieder laut wird. Es ist Aufklärung auf Augenhöhe von einer Expertin, die genau weiß, wie sich die Dunkelheit anfühlt, aber auch den Weg heraus kennt.

Angstthemen sind bestimmt sehr häufig und ein großes Thema. Ich kann mir vorstellen, leider auch noch sehr mit Scham behaftet, oder?
Ja, absolut. Obwohl psychische Erkrankungen fast jeden von uns im Laufe des Lebens mal direkt oder indirekt betreffen, ist die Scham riesig. Viele Menschen behalten ihr Leiden lieber für sich, weil sie Angst vor Ablehnung, verletzendem Mitleid oder ganz konkreten beruflichen Konsequenzen haben. Niemand möchte als „nicht belastbar“ oder „schwach“ abgestempelt werden. Genau diese Scham führt aber dazu, dass Betroffene sich isolieren und viel zu spät Hilfe suchen. Deshalb ist mir meine Arbeit so wichtig: Wir müssen der Angst ihr Tabu nehmen, damit das Schweigen endlich aufhört.

Wie können wir mit diesem großen Thema umgehen?
Der wichtigste Schritt im Umgang mit der Angst klingt banal, ist aber der schwerste: Wir müssen aufhören, wegzuschauen. Wenn dich Angst oder Panik betreffen, versuche bitte nicht, die Gefühle mit aller Kraft zu ignorieren oder zu verdrängen. Angst ist wie ein kleines Kind, das lauter schreit, wenn man es ignoriert. Das Verdrängen macht es langfristig nur schlimmer. Der erste Schritt ist, innezuhalten, durchzuatmen und der Angst erst mal zu erlauben, da zu sein – ohne sie sofort zu bewerten.

Wie können wir heilen, was ist der erste Schritt dafür?
Heilung beginnt immer mit radikaler Akzeptanz. Erst wenn ich annehme, was jetzt gerade ist, ohne mich selbst dafür zu verurteilen, gewinne ich meine Handlungsfähigkeit zurück. Auf dieser Basis können wir dann mit aktiver Selbstfürsorge und Achtsamkeit das Nervensystem wieder in die Sicherheit führen. Und ganz wichtig: Heilung bedeutet nicht, dass man alles alleine schaffen muss. Der Mut, sich professionelle Hilfe zu suchen, ist oft der kraftvollste erste Schritt in ein freieres Leben.

Und zum Schluss: Deine ganz persönliche Message an uns Frauen :)
Erinnert euch an eure eigene, innewohnende Stärke! Wenn die Angst kommt, fühlt man sich oft klein und hilflos. Aber vergesst nicht: Ihr habt bisher 100 % eurer schwersten Tage überlebt. In jeder von uns steckt eine unbändige Kraft. Die Angst darf da sein, aber sie darf nicht das Steuer eures Lebens übernehmen. Ihr seid so viel größer als eure Angst!

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