Martina Feierling-Rombach

Interview mit Martina Feierling-Rombach

Martina Feierling-Rombach, Diplom Braumeisterin, 70

Erstmal ein großes Dankeschön für die Zeit und die Bereitschaft mir diese Fragen zu beantworten!

Wie bist du dazu gekommen, also Braumeisterin zu werden, ist ja eher ungewöhnlich.
Lacht, das Bier wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt. Ich bin aus einer Brauereifamilie, allerdings war es keine Selbstverständlichkeit oder eine Verpflichtung, diesen Weg einzuschlagen. Gerne sage ich das immer mal wieder, wenn es passt und hier passt es – ich wusste mit 16 Jahren schon, dass ich was mit Brauereitechnik machen will. Mich faszinierte die Branche und ich hatte damals schon, das war 1972, den Drang gehabt, mich in eine Männerdomäne zu begeben und nicht dahin, wo Frauen hin „sollten“, oder hingingen. Bei mir damals war es ganz typisch, ins Lehramt zu gehen, wegen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Ausbildung geht nicht so lang. Ich allerdings hatte immer das Gefühl, dass ich das nicht möchte. das hatte mit Sicherheit damit zu tun, dass ich als Kind einfach den ständigen Umgang mit dem Produkt und den Themen rund ums Bier hatte. Es faszinierte mich und ich fand es einfach nur spannend. Und dann haben mich meine Eltern mit 16 das erste Mal mit nach Weihenstephan genommen. Die Top Universität weltweit für Bierbrauerei. Und da wusste ich – ja genau das möchte ich. Meine Schulleistungen waren nicht die besten, so dass ich mir hätte alles aussuchen können, aber da wusste ich, das klappt irgendwie. Und dann hat mein Vater gesagt, gut, wenn du dir das in den Kopf gesetzt hast, mach es. Probiere es.

Zunächst musste ich Praktika machen. Mich von der Pieke auf durchkämpfen. Dadurch habe ich aber auch gleich gemerkt, ob es passt oder nicht. Es war schon ein raues Umfeld.

Wie war die Lehre, wie war es damals für Dich und wie kam es zur Gründung der Hausbrauerei Feierling in Freiburg?
Wie schon gesagt, es war ein raues Umfeld. Klein angefangen habe ich. Erst in Lörrach, nicht weit von Freiburg in einer Brauerei. Und dann erst irgendwann habe ich es nach München in eine große Brauerei geschafft. Bad Paulaner, natürlich war es damals noch nicht so ein riesen Konzern. Da habe ich aber auch wieder gemerkt, ja das ist mein Weg, mein Platz, das ist es was ich möchte. Und von dort aus konnte ich dann nach Weihenstephan zum Studium. Hier wurde die Grundlage für mein weiteres Leben gelegt. Das Studium war nicht einfach, ich hatte kaum Vorkenntnisse, also was das Technische anging. Ich war die einzige Frau im Semester, aber ich wurde akzeptiert und die Männer waren sehr hilfsbereit. Ich weiß, es hab natürlich einige Stimmen die sagten: „ja ja, der Hubert, also mein Vater, hat sie nach Weihenstephan geschickt, damit sie einen passenden Mann findet.“ Aber das war mir egal, ich wusste warum ich dort bin. Es war eine tolle Zeit, neben gemeinsamer Bierverköstigung und Unternehmungen am Wochenende musste ich aber viel lernen um die Prüfungen zu bestehen. Ich hatte mir das vorgenommen und habe es dann letztlich auch geschafft. Bis heute habe ich Kontakt zu meinen Kommilitonen.

Naja und dann als ich nach Freiburg zurück kam mit meinem Diplom, musste aus wirtschaftlichen Gründen der Brauereibetrieb still gelegt werden. Für meine Familie sehr schwer, denn ich hätte 4.Generation werden können. Mein Vater sah aber keinen Ausweg und ich sagte nur : „Ach Papa, ich finde schon meinen Weg, keine Sorge“. Damals hatte ich mich dann in einer Brauerei in San Francisco beworben und eine Zusage erhalten. Aber dann starb mein Vater. Und dann war für mich klar, ich muss hier bleiben und um alles kümmern. Es war sehr arbeitsintensiv und ehrlich gesagt hatte ich gar keine Lust und ich tat es wirklich ohne Freude, aber aus Verpflichtung. Aber ich hatte mir immer gesagt – Martina, irgendwann kommt deine Stunde. Und sie kam. Als der Trend der Hausbrauerei in Deutschland Trend wurde. Es gab nicht mal 100 Stück an verschiedenen Standorten. Aber in Freiburg gab es keine. Und ich spürte die Sehnsucht der Menschen nach Vielfalt, es gab in jeder Region einfach nur wenig Bier und sonst es gab ja damals nur die sogenannten „Fernseh-Biere“, Krombacher, Jever, Bitburger, die wir alle aus der Werbung kennen. Mein Gespür und meine innere totale Überzeugung sagte mir, die Menschen werden es annehmen und sich darüber zu freuen. Wir hatten zum Glück auch einen guten Ruf und so dann nach dem Motto : „wenn ich das schon alles abwickle, dann so, dass es auch für mich passt“.

Und so begann ich, mit meinem jetzigen Mann, die Hausbrauerei aufzubauen. Er ist übrigens Volkswirt und ich die Braumeisterin. Beide keine Gastronomen, wir haben uns durchgebissen, haben aber schnell gemerkt, nicht klein denken, sondern groß denken ist hier gefragt. Wir sind ins kalte Wasser gesprungen. Und dann kam ja Familie dazu. Vieles hat sich gefügt, es war kein zwanghaftes auf eine Position hinarbeiten. Es hat sich wie gesagt gefügt und ich habe die Aufgaben dann auch immer gut machen können. Ich hatte keine Skandale, hatte immer viel Glück. Mein Mann und ich sind sehr unterschiedlich, aber wir waren all die Jahre ein sehr gutes Team. Er eher im Hintergrund und ich stand immer vorne.

Naja und jetzt machen es meine Tochter, die auch in Weihenstephan studiert hat und mein Sohn. Sie Bier Technologin und er Volkswirt. Sehr zu unserer Freude, aber auch da waren es die Kinder, die alles weiterführen wollten. Meine Tochter hat natürlich eine ganz andere Basis als ich. Viel mehr Fachwissen, es macht so Freude mit ihr unser Bier zu probieren und uns auszutauschen.

Wie erlebst du es jetzt, also Frauen und Bierbrauerei ist es einfacher?
Ja, ich sehe es an meiner Tochter, viel mehr Frauen, auch internationaler. 50% Frauen sogar. Es ist nicht mehr so ungewöhnlich und Frauen haben jetzt einen anderen Platz als damals. Das freut mich sehr. Auch wenn das Biertrinken doch sehr stark zurück gegangen ist in den letzten zwei Jahren. Der Alkoholkonsum geht zurück, aus verschiedene Einflussfaktoren, zB aus gesundheitlichen oder auch aus religiösen Gründen. Aber auch aus einer inneren Überzeugung heraus.

Wieso denkst du, sollten wir Frauen uns mehr trauen, selbstständig zu werden bzw unseren Weg einzuschlagen und tun was wir lieben?
Wir Frauen sollten uns einfach zu mehr Sichtbarkeit trauen, wir haben so Hemmungen davor. Unsere Berufung, bzw das tun, was wir wirklich wollen, weil es glücklich macht. Wir haben ja eine innere Stimme und die kann uns gut leiten. Ich habe aber oben auch erwähnt, es hat sich vieles gefügt und ergeben, zum Guten. Dafür bin ich sehr dankbar.

Persönliche Message
Trauen, vernetzen, austauschen. Männer haben viel mehr diese „Stammtisch Mentalität“, sie unterstützen sich anders. Das sollten wir auch tun. Auch grade der Austausch mit erfahrenen Frauen, Unternehmerinnen ist so wichtig. Ergänzung, Jede hat ihre Defizite, aber wir können uns auch dabei gegenseitig unterstützen und stärken. Und ja, ich bin eine rationale Frau, aber wenn ich vom Bauchgefühl her spürte und spüre, passt nicht zu mir, habe ich es nicht gemacht. Aufs Bauchgefühl verlassen, dann NEIN sagen. Und Ausgleich schaffen – bei allem. Und vor allem auf die körperliche Gesundheit achten.

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