Dorela Kress

Interview mit Dorela

Last Updated: Oktober 21, 2025By Tags: , , , ,
Dorela Kress, 43 Jahre
Rechtsanwältin und Wirtschaftsmediatorin
Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht
kresshatrecht.de
Zu Dorela muß ich eine kurze Geschichte erzählen, bevor Ihr das Interview lesen könnte.

Als ich auf dem Weg zur Female Finance Night war, sah ich eine golden gekleidete Frau über die Ampel gehen. Selbstsicher, taff, elegant und absolut feminin. Toll!
Mein Gedanke dann: Oh, sie geht bestimmt auch zurFinance Night, bin ich underdressed, was mein Outfit angeht?
Tatsächlich sah ich sie auf der Bühne wieder, sie nahm am Panel Talk Female Empowerment teil.
Es war beeindruckend, mit welcher Klarheit und Souveränität sie die Fragen der Moderatorin beantwortete. Ich ging sofort in Resonanz mit ihr, es traf genau meine Blogthemen, Weiblichkeit, Authentizität, Selbstständigkeit… Mir war klar:Mit ihr will ich ein Interview führen.
Nach ein paar Tagen nahm ich all meinen Mut zusammen und schrieb sie an- sie war so herzlich, es war ein tolles Telefonat und tadaaaa hier das Interview:)

Dorela, ist der Anwältinnenberuf Deine Berufung? Und wolltest Du schon immer Anwältin werden? Und wie kamst Du zu Bank- und Kapitalrecht?
Ja, tatsächlich ist der Beruf für mich eine echte Berufung. Schon früh habe ich Mahatma Gandhi und Mutter Teresa als Vorbilder entdeckt – Menschen, die sich mit Haltung und Mitgefühl für andere eingesetzt haben. Eine Zeit lang wollte ich sogar Nonne werden, aber mein Vater hat sich mit Nachdruck gegen diese Idee behauptet (und ganz ehrlich: Ich wäre wahrscheinlich grandios gescheitert im Klosterleben 😉).

Für mich war dann schnell klar: Ich werde Anwältin. Der Wunsch, für Gerechtigkeit einzustehen und komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen, hat mich früh geprägt. Natürlich habe ich später gemerkt, dass man die Welt nicht ganz so leicht gerechter machen kann, wie man es sich als Kind vorstellt. Aber was mich bis heute ungemein reizt, ist die Möglichkeit, mit den Gesetzen zu arbeiten – sie kreativ zu nutzen, um für meine Mandant:innen Lösungen zu ermöglichen, die ihnen sonst vielleicht verschlossen geblieben wären. Mein ursprüngliches Ziel war das Gesellschaftsrecht – und das ist auch heute noch mein Schwerpunkt, den ich seit über drei Jahren in meiner Kanzlei aktiv verfolge. Derzeit arbeite ich auch am Fachanwalt dafür.

In das Bank- und Kapitalmarktrecht bin ich regelrecht hineingewachsen. Gleich zu Beginn meiner Laufbahn hatte ich die Möglichkeit, in einer größeren Einheit mitzuarbeiten, die stark wirtschaftsrechtlich ausgerichtet war. Dort habe ich früh Mandate im Kapitalmarktrecht übernommen und konnte mich intensiv einarbeiten. Diese praktische Erfahrung hat mich geprägt – und mir den Weg zum Fachanwalt eröffnet, den ich mit großer Begeisterung absolviert habe.

Ist Dein Fachgebiet eher eine Männerdomäne?
Ja, das lässt sich durchaus sagen. Sowohl das Gesellschaftsrecht als auch das Bank- und Kapitalmarktrecht sind traditionell stark männlich geprägt. Die Fachanwaltsstatistik der Bundesrechtsanwaltskammer zeigt das deutlich: Im Handels- und Gesellschaftsrecht liegt der Frauenanteil bei rund 25 %, im Bank- und Kapitalmarktrecht sogar unter 20 %.

Ich sehe das inzwischen nicht mehr als Hindernis. Wobei ich zugeben muss, dass ich das am Anfang durchaus auch eher als Ansporn genommen habe. Ob ich damals immer die richtigen Verhaltensweisen und Entscheidungen aus diesem Ehrgeiz heraus getroffen habe, sehe ich heute eher kritisch. Aber ja – inzwischen denke ich, dass es manchmal auch ein Vorteil sein kann, als Frau in diesen Bereichen sichtbar zu sein.

Es braucht mehr Frauen in diesen Feldern – nicht nur, um ein Gleichgewicht zu schaffen, sondern weil wir Perspektiven einbringen, die oft fehlen. Ich erlebe es als Stärke, mit Empathie, Klarheit und Effizienz zu beraten – gerade in komplexen wirtschaftlichen Zusammenhängen. Effizienz bedeutet für mich, nicht nur juristisch präzise zu arbeiten, sondern auch pragmatisch, lösungsorientiert und mit einem klaren Blick für das, was für meine Mandant:innen wirklich zählt. Und ich freue mich, wenn ich Kolleginnen begegne, die sich ebenfalls in diesen Feldern behaupten – denn es werden mehr.

Für mich bist Du unglaublich taff und klar, hast aber Deine Weiblichkeit überhaupt nicht verloren, war das schon immer so? Und was bedeutet Weiblichkeit für Dich?
Oh, herzlichen Dank – das freut mich sehr.
Ja, in manchen Dingen bin ich klar und taff, aber das echte „taff“ kommt für mich erst durch die Klarheit. Klarheit über meine Haltung, meine Grenzen und natürlich auch über meine Stärken.

Ist es nicht interessant, dass du „klar und taff“ sagst und dann „aber du hast deine Weiblichkeit nicht verloren“? Das wird immer noch als Gegenpol gesehen. Aber ich kann das total nachvollziehen – so ist unsere Gesellschaft nun mal geprägt.

Wie ich auch auf der Female Finance Night erzählt habe: Ich habe meine Weiblichkeit im beruflichen Kontext lange Zeit eher versteckt. Ich dachte, ich müsste mich anpassen, mich „neutralisieren“, um ernst genommen zu werden – gerade in einem Umfeld, das stark männlich geprägt ist. Das hat dazu geführt, dass ich mich nicht wirklich wohl gefühlt habe. Ich war zwar funktional, aber nicht ganz bei mir.

Heute sehe ich das anders. Weiblichkeit bedeutet für mich nicht Schwäche oder Nachgiebigkeit – im Gegenteil. Sie steht für Intuition, Präsenz, emotionale Intelligenz und genauso auch für eine Form von Stärke.

Ich glaube, wir müssen endlich aufhören, Sanftheit und Stärke als Gegensätze zu betrachten. Für mich ist Sanftheit eine Form von Stärke – sie bedeutet, präsent zu sein, zuzuhören, zu verbinden. Und gerade, weil ich diese Seite (inzwischen) zulassen kann, bin ich auch in der Lage, unglaublich hartnäckig zu sein, wenn es darauf ankommt. Ich bin durchsetzungsstark – manchmal so sehr, dass ich bei manchen Gegnern anecke. Aber das ist okay. Ich bin nicht hier, um allen zu gefallen. Und ganz ehrlich: So macht es auch am meisten Spaß.

Was bedeutet Authentizität für Dich und wie wichtig ist es, sie zu leben? Besonders im Beruf.
Authentizität gehört zu meinen wichtigsten Werten – und das ist nicht immer leicht. Besonders im Beruf habe ich gelernt, dass sie nicht in jeder Situation notwendig oder hilfreich ist. Ich habe mich da im Laufe der Zeit verändert. Früher bin ich für meine Haltung oft in den sprichwörtlichen Kampf gezogen – heute frage ich mich viel öfter: Lohnt sich das? Was bringt es mir, was bringt es meinen Mandanten?

In der Beziehung zu meinen Mandanten ist Authentizität für mich absolut zentral. Sie schafft Vertrauen, Nähe und Klarheit.

Aber wenn es um Ergebnisse geht – gerade in der Verhandlung mit der Gegenseite – verlangt die Rolle der Anwältin strategisches Denken und taktisches Handeln. Da ist Authentizität nicht immer gefragt – es sei denn, sie hilft. Und genau das ist der Punkt: Authentizität ist kein Dogma, sondern ein Werkzeug. Ich entscheide bewusst, wann ich sie einsetze und wann ich professionell agiere. Diese Klarheit, die ich auch hier inzwischen erreicht habe, ist für mich ein wichtiger Baustein von Professionalität – und sie macht den Job umso erfüllender.

Seit fünf Jahren bist Du selbstständig, was rätst Du Frauen, die diesen Weg gehen wollen? Und wie wichtig ist es dabei authentisch zu sein?
Zur ganzen Wahrheit gehört: Ich war nie zu 100 % selbstständig. Ich hatte immer das Glück, parallel in Teilzeit angestellt zu sein – so wie derzeit bei der Gestalterbank. Insofern bin ich vielleicht nicht die klassische Ratgeberin für den Sprung in die volle Selbstständigkeit. Aber gerade weil ich beide Welten kenne, kann ich sagen: Es gibt nicht den einen Weg. Und das ist auch gut so.

Was ich Frauen mitgeben würde, die über diesen Schritt nachdenken: Prüft, was euch wirklich entspricht. Selbstständigkeit ist kein Selbstzweck – sie sollte zu eurem Lebensmodell passen, nicht zu einem Idealbild. Ich habe gelernt, dass Klarheit über die eigenen Werte, Ziele und Grenzen entscheidend ist. Und ja, Authentizität spielt dabei eine große Rolle – nicht als Marketingstrategie, sondern als innere Haltung.

Welche Einflüsse, Menschen oder Begegnungen waren prägend für Dich als Frau?
Ich denke, dass mich meine Herkunft sehr geprägt hat. Die ersten zehn Jahre meines Lebens habe ich in Rumänien verbracht – als erstes Enkelkind war ich oft bei meiner Tante und meiner Oma, während meine Eltern gearbeitet haben. Diese drei Frauen hätten unterschiedlicher kaum sein können: jede mit ihrer eigenen Art, ihrem eigenen Leben, ihrer eigenen Haltung. Und doch waren sie alle voller Liebe.

Ich hatte großes Glück, denn ich habe schon als kleines Mädchen gesehen, dass es nicht den einen Weg für eine Frau gibt. Dass Stärke viele Gesichter haben kann – leise, laut, fürsorglich, unabhängig. Diese Vielfalt hat mich tief geprägt und begleitet mich bis heute. Sie hat mir früh gezeigt, dass ich meinen eigenen Weg gehen darf – und dass Weiblichkeit nichts mit Einheitsgröße zu tun hat.

Auch die Ablehnung, die ich als ausländisches Kind in den ersten Jahren in Deutschland teilweise erfahren habe, hat Spuren hinterlassen – eben auch in meinem Frausein. Ich habe schon früh meine modische Ader ausgelebt, oft jenseits des Mainstreams. Das war nicht immer einfach, aber im Rückblick eher motivierend. Ich habe gelernt, dass Anderssein nicht nur erlaubt ist, sondern eine Form von Stärke sein kann.

Und letztlich: Du bist ja auch so auf mich aufmerksam geworden – noch vor der Veranstaltung. Das zeigt mir, dass Echtheit und Stil durchaus Wirkung haben dürfen.

Und im Übrigen: Ich liebe Cowboystiefel!!!

Und zum Schluss Deine ganz persönliche Message von Dir für uns.
Wenn man die vorherigen Antworten liest, könnte vielleicht der Eindruck entstehen, dass bei mir alles super taff, selbstbewusst und weiblich läuft. Aber nein – so ist es nicht. Ich bin innerlich wie äußerlich nicht immer die Frau in Gold. Und das wäre auch überhaupt nicht authentisch.

Was ich aber glaube: Bei all den Ups und Downs, die das Leben mit sich bringt, ist es wichtig, nicht aufzugeben. Ja, es gibt dunkle Phasen – und ich bin überzeugt davon, dass gerade diese uns weiterbringen, wenn wir hinschauen, reflektieren und wieder aufstehen.

Und das richtig, richtig Tolle ist: Wenn man auf diesem Weg ein paar Frauen um sich hat, die einen daran erinnern, wer man ist – wenn man es selbst mal vergisst. Die mit einem feiern, wenn es etwas zu feiern gibt. Oder einfach nur so feiern. Oder was auch immer. Diese Verbindung ist für mich das größte Geschenk.

An dieser Stelle bin ich mal so frech und möchte mich ganz, ganz herzlich bei Uli und Maria bedanken – ihr seid Gold wert.

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